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<title>Fantasio (Oper)</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Fantasio (Oper)</span></h1>
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<tbody><tr>
<th colspan="2" style="background: lavender; color: black;">Werkdaten
</th></tr>
<tr>
<td style="width: 40%;">Titel:
</td>
<td><b>Fantasio</b>
</td></tr>


<tr>
<td colspan="2" style="text-align: center;">
<p><small>Titelblatt des Klavierauszugs, 1872</small>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td>Form:
</td>
<td><a href="Op%C3%A9ra-comique_(Werkgattung)" title="Opéra-comique (Werkgattung)">Opéra-comique</a> in drei Akten
</td></tr>
<tr>
<td>Originalsprache:
</td>
<td>Französisch
</td></tr>
<tr>
<td>Musik:
</td>
<td>Jacques Offenbach
</td></tr>
<tr>
<td><a href="Libretto" title="Libretto">Libretto</a>:
</td>
<td><a href="Paul_de_Musset" title="Paul de Musset">Paul de Musset</a> und <a href="Charles_Nuitter" title="Charles Nuitter">Charles Nuitter</a>
</td></tr>
<tr>
<td>Literarische Vorlage:
</td>
<td><a href="Alfred_de_Musset" title="Alfred de Musset">Alfred de Musset</a>: <i>Fantasio</i>
</td></tr>
<tr>
<td>Uraufführung:
</td>
<td>18. Januar 1872
</td></tr>
<tr>
<td>Ort der Uraufführung:
</td>
<td><a href="Op%C3%A9ra-Comique_(Paris)" title="Opéra-Comique (Paris)">Opéra-Comique</a>, Paris
</td></tr>
<tr>
<td>Spieldauer:
</td>
<td>ca. 2<span style="white-space:nowrap;"><span style="display:inline-block; width:0.167em;">&nbsp;</span></span>½ Stunden
</td></tr>
<tr>
<td>Ort und Zeit der Handlung:
</td>
<td>Bayern in einer märchenhaften Zeit
</td></tr>
<tr>
<th colspan="2" style="background: lavender; color: black; text-align: left;">Personen
</th></tr>
<tr>
<td colspan="2">
<ul><li><i>Elsbeth,</i> Prinzessin von Bayern (<a href="Sopran" title="Sopran">Sopran</a>)</li>
<li><i>Fantasio</i> (<a href="Mezzosopran" title="Mezzosopran">Mezzosopran</a> oder <a href="Tenor" title="Tenor">Tenor</a>)</li>
<li><i>Marinoni,</i> Adjutant des Prinzen (Tenor)</li>
<li>Der Prinz von Mantua (<a href="Bariton" title="Bariton">Bariton</a>)</li>
<li><i>Sparck,</i> Student (Bariton oder <a href="Bass_(Stimmlage)" title="Bass (Stimmlage)">Bass</a>)</li>
<li>Der König von Bayern (Bass)</li>
<li><i>Flamel,</i> Page der Prinzessin (Mezzosopran)</li>
<li><i>Facio,</i> Student (Tenor)</li>
<li><i>Max,</i> Student (Tenor)</li>
<li><i>Hartmann,</i> Student (Bass)</li>
<li>Ein Büßer (Bariton)</li>
<li>Page (Sprechrolle)</li>
<li>Schließer (Sprechrolle)</li>
<li>Hofdamen, Hofherren, Bürger, Studenten (<a href="Chor_(Musik)" title="Chor (Musik)">Chor</a>)</li></ul>
</td></tr></tbody></table>
<p><b>Fantasio</b> ist eine <a href="Op%C3%A9ra-comique_(Werkgattung)" title="Opéra-comique (Werkgattung)">Opéra-comique</a> in drei Akten von <a href="Jacques_Offenbach" title="Jacques Offenbach">Jacques Offenbach</a> mit einem <a href="Libretto" title="Libretto">Libretto</a> von <a href="Paul_de_Musset" title="Paul de Musset">Paul de Musset</a> und <a href="Charles_Nuitter" title="Charles Nuitter">Charles Nuitter</a> nach <a href="Alfred_de_Musset" title="Alfred de Musset">Alfred de Mussets</a> gleichnamiger Komödie. Sie wurde erstmals am 18. Januar 1872 in der Salle Favart der Pariser <a href="Op%C3%A9ra-Comique_(Paris)" title="Opéra-Comique (Paris)">Opéra-Comique</a> gespielt.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Handlung">Handlung</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Erster_Akt">Erster Akt</h3></div>
<p><b>Platz vor dem Palast</b>
</p><p>Die Bürger Bayerns feiern die bevorstehende Hochzeit der Königstochter mit dem Prinzen von Mantua. Die Hochzeit soll den drohenden Staatsbankrott Bayerns und einen Krieg zwischen beiden Ländern abwenden. Eine Horde von Studenten lästert über die spießbürgerliche Beschaulichkeit der Bewohner und beschließt, die Nachtruhe mit ihren Gesängen zu stören. Der König tritt auf und verkündet die Weisheit seines Plans. Er gibt Freibier aus, um die Bürger zu gewinnen.
</p><p>Fantasio erscheint, ewiger Student und verschuldet. Unter dem Schlossfenster hört er den Gesang der Prinzessin Elsbeth, die sich vor der Hochzeit mit einem Unbekannten fürchtet. Sie singen im Duett; sehen sich dabei nicht, aber verlieben sich über ihre Stimmen. Ein Chor trägt den Hofnarren St. Jean zu Grabe. Fantasio stößt dazu. Er beschließt, sich als Narr einzukleiden, um ins Schloss gelassen zu werden und die Prinzessin zu gewinnen.
</p><p>Der Prinz von Mantua und sein Adjutant Marinoni treten auf. Der Prinz hat den großartigen Einfall, mit Marinoni die Kleider zu tauschen, um in dessen Adjutantenrolle seine künftige Braut zunächst inkognito zu beäugen.
</p><p>Gemeinsam mit Fantasio im Narrenkostüm ziehen die Studenten durch die Gemeinde. Sie singen das Loblied vom Narrentum: Es könne die menschliche Neigung brechen, andere zu unterdrücken, und sei deswegen die wahrhaft vernünftige Lebenshaltung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zweiter_Akt">Zweiter Akt</h3></div>
<p><b>Palastgarten</b>
</p><p>Am nächsten Morgen kleiden die Hofdamen im Schloss die Prinzessin für die Hochzeit ein. Elsbeth ist wütend und deprimiert, ergibt sich aber in ihr Schicksal. Der König stellt ihr den Bräutigam vor, nicht ahnend, dass es sich gar nicht um den Prinzen, sondern um dessen Adjutanten handelt. Der echte Prinz verliebt sich in die Prinzessin. Er möchte um seiner selbst willen geliebt werden und nicht wegen seiner herrschaftlichen Stellung. Er nähert sich ihr immer wieder auf tapsige und plumpe Weise und wird von ihr und vom Vater mehrmals brüsk abgewiesen.
</p><p>In der Verkleidung des Narren nähert sich Fantasio der Prinzessin. Er sagt ihr auf den Kopf zu, dass sie in der erzwungenen Ehe unglücklich sein werde. Er verspricht, ihr zu helfen, und überredet sie, sich nicht zu fügen. Als die Zeremonie beginnt, zieht Fantasio dem vermeintlichen Prinzen Marinoni vor dem versammelten Hofstaat die Hosen herunter und macht ihn lächerlich. Der Hof und die italienischen Gäste fordern eine harte Strafe für den Narren.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Dritter_Akt">Dritter Akt</h3></div>
<p><b>Gefängnis</b>
</p><p>Elsbeth schleicht sich zu Fantasio in den Kerker. Dieser stellt sich schlafend. Elsbeth betrachtet sein Gesicht. Er offenbart ihr seine Liebe. Sie sträubt sich zunächst: der Friede und das Wohl des Staates stehe auf dem Spiele. Fantasio lässt seine Narrenmaske fallen. Elsbeth ergibt sich ihm und flieht mit ihm aus dem Schloss.
</p><p><b>Platz vor dem Palast</b>
</p><p>Unterdessen ist Bayern bankrott. Die Studenten in der Stadt rufen das Volk zum Krieg gegen Mantua auf. Fantasio tritt auf und hält eine Rede gegen den Krieg und für das Narrentum. Das Volk ruft ihn zum Anführer aus. Der Prinz von Mantua tritt auf und kündigt an, dass er seine Soldaten schicken werde. Fantasio stellt ihn zur Rede: Wenn es den Anführern nach Kampf zumute sei, sollten sie diesen persönlich ausfechten, statt das Volk für sich bluten zu lassen. Er fordert den Prinzen zum Duell. Dieser will seinen Adjutanten als Stellvertreter vorschicken. Marinoni weigert sich: Er sei aus der Übung. Der Prinz hat ein Einsehen und verkündet, den Mantel des Vergessens über die erlittene Schmach zu breiten. Sowohl der Prinz von Mantua als auch der König von Bayern erheben Fantasio in den Adelsstand.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Instrumentation">Instrumentation</h2></div>
<p>Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:
<sup id="cite_ref-piper_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-piper-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li><a href="Holzblasinstrument" title="Holzblasinstrument">Holzbläser</a>: zwei <a href="Querfl%C3%B6te" title="Querflöte">Flöten</a> (2. auch <a href="Piccolofl%C3%B6te" title="Piccoloflöte">Piccolo</a>), zwei <a href="Oboe" title="Oboe">Oboen</a>, zwei <a href="Klarinette" title="Klarinette">Klarinetten</a>, zwei <a href="Fagott" title="Fagott">Fagotte</a></li>
<li><a href="Blechblasinstrument" title="Blechblasinstrument">Blechbläser</a>: vier <a href="Horn_(Instrument)" class="mw-redirect" title="Horn (Instrument)">Hörner</a>, zwei <a href="Trompete" title="Trompete">Trompeten</a>, drei <a href="Posaune" title="Posaune">Posaunen</a></li>
<li><a href="Pauke" title="Pauke">Pauken</a>, <a href="Schlagwerk_(Musik)" title="Schlagwerk (Musik)">Schlagzeug</a>: <a href="Kleine_Trommel" title="Kleine Trommel">kleine Trommel</a>, <a href="Gro%C3%9Fe_Trommel" title="Große Trommel">große Trommel</a>, <a href="Triangel" title="Triangel">Triangel</a>, <a href="Glockenspiel_(Musikinstrument)" title="Glockenspiel (Musikinstrument)">Glockenspiel</a>, <a href="Becken_(Musikinstrument)" title="Becken (Musikinstrument)">Becken</a>, <a href="Tamburin" title="Tamburin">Tamburin</a></li>
<li><a href="Harfe" title="Harfe">Harfe</a></li>
<li><a href="Streichinstrument" title="Streichinstrument">Streicher</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Werkgeschichte">Werkgeschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Mussets_Lesedrama">Mussets Lesedrama</h3></div>
<p>1832 heiratete Prinzessin <a href="Louise_d%E2%80%99Orl%C3%A9ans_(1812%E2%80%931850)" title="Louise d’Orléans (1812–1850)">Louise von Orléans</a> den König <a href="Leopold_I._(Belgien)" title="Leopold I. (Belgien)">Leopold I. von Belgien</a>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Prinzessin war 20, der König 42. Die Ehe wurde aus <a href="Staatsr%C3%A4son" title="Staatsräson">Staatsräson</a> geschlossen: Leopold wollte durch seine Heirat eine Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland erwirken.
</p><p>Louise liebte ihren Mann wohl wirklich, aber das glaubte ihr kaum jemand. Auch <a href="Alfred_de_Musset" title="Alfred de Musset">Alfred de Musset</a> nicht, der die junge Prinzessin verehrte. So griff er einen Stoff auf, der ursprünglich als Episode in <a href="E.T.A._Hoffmann" class="mw-redirect" title="E.T.A. Hoffmann">E.T.A. Hoffmanns</a> <i><a href="Lebensansichten_des_Katers_Murr" class="mw-redirect" title="Lebensansichten des Katers Murr">Lebensansichten des Katers Murr</a></i> erschien: Die Zwangsheirat einer Prinzessin mit einem vertrottelten italienischen Prinzen. In der Realität konnte die Hochzeit von Prinzessin Louise den Krieg nicht verhindern, denn die Niederlande wollten einen Abfall Belgiens nicht akzeptieren. Auch Mussets Geschichte endet damit, dass die Studenten jubelnd in den Krieg ziehen. Offenbach als überzeugter <a href="Pazifist" class="mw-redirect" title="Pazifist">Pazifist</a> lehnte diesen Schluss ab und entschied sich für eine friedliche Wendung.
</p><p>1834 las <a href="Georg_B%C3%BCchner" title="Georg Büchner">Georg Büchner</a> in Straßburg Mussets Geschichte und verwendete sie – mit vielen wörtlichen Zitaten – für seine Komödie <a href="Leonce_und_Lena" title="Leonce und Lena">Leonce und Lena</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Offenbachs_Werk_und_Aufführungen"><span id="Offenbachs_Werk_und_Auff.C3.BChrungen"></span>Offenbachs Werk und Aufführungen</h3></div>
<p>Offenbach schrieb seine Oper <i>Fantasio</i> Ende 1869 und Anfang 1870. Im Juli 1870, als Offenbach mitten in den Proben zu <i>Fantasio</i> an der Pariser <a href="Op%C3%A9ra-Comique_(Paris)" title="Opéra-Comique (Paris)">Opéra-Comique</a> stand, begann der <a href="Deutsch-Franz%C3%B6sischer_Krieg" title="Deutsch-Französischer Krieg">Deutsch-Französische Krieg</a>. Offenbach stürzte in eine schwere Schaffenskrise. Von <a href="Gicht" title="Gicht">Gicht</a> geplagt, irrte er durch Europa, angefeindet sowohl von Deutschen, die den Emigranten Offenbach als Vaterlandsverräter beschimpften, als auch von Franzosen, die ihn verdächtigten, für Preußen zu spionieren. Die Kritik in Frankreich warf ihm vor, dass seine Werke zur Verweichlichung im <a href="Zweites_Kaiserreich" title="Zweites Kaiserreich">Zweiten Kaiserreich</a> geführt und damit zur Niederlage beigetragen hätten.
</p><p>Erst im November 1871 nahm Offenbach die Proben für <i>Fantasio</i> wieder auf. Zuvor schrieb er die Titelpartie von <a href="Tenor_(Stimmlage)" class="mw-redirect" title="Tenor (Stimmlage)">Tenor</a> auf <a href="Mezzosopran" title="Mezzosopran">Mezzosopran</a> um. Der Tenor <a href="Victor_Capoul" title="Victor Capoul">Victor Capoul</a>, dem er die Rolle zugedacht hatte und der in seinem vorherigen Werk <i>Vert-Vert</i> für ihn gesungen hatte, war nämlich aus dem Krieg in ein Engagement nach London geflohen und von dort nicht zurückgekehrt. Stattdessen sang nun <a href="C%C3%A9lestine_Galli-Mari%C3%A9" title="Célestine Galli-Marié">Célestine Galli-Marié</a>, die bereits in der Uraufführung von Offenbachs <i>Robinson Crusoé</i> beteiligt war, die Titelrolle. Die pazifistischen Passagen scheint Offenbach ebenfalls erweitert zu haben, denn das <a href="Libretto" title="Libretto">Libretto</a> der Uraufführung unterscheidet sich wesentlich von der Fassung, die er zwei Monate zuvor bei der Zensur eingereicht hatte. Am 18. Januar 1872 fand schließlich die Uraufführung statt.
</p><p>Gleich danach reiste Offenbach nach Wien, um im <a href="Theater_an_der_Wien" title="Theater an der Wien">Theater an der Wien</a> am 21. Februar die Premiere der deutschen Fassung aufzuführen. Diese Wiener Fassung von Eduard Mauthner und <a href="Richard_Gen%C3%A9e" title="Richard Genée">Richard Genée</a> mit dem Titel <i>Fantasio oder Der Narr des Herzogs</i><sup id="cite_ref-piper_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-piper-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> hat eine andere Rahmenhandlung mit anderer Musik als die Pariser Fassung. Szenen wurden gestrichen und der Text dem Verständnis des deutschsprachigen Publikums angepasst. Die Titelpartie <a href="Transposition_(Musik)" title="Transposition (Musik)">transponierte</a> Offenbach für die Sängerin <a href="Marie_Geistinger" title="Marie Geistinger">Marie Geistinger</a> in den <a href="Sopran" title="Sopran">Sopran</a>. Die Pariser Fassung war mit 10 Aufführungen ein Misserfolg. Das Pariser Publikum sann nach der Niederlage und den demütigenden Friedensbedingungen auf Revanche und mochte die pazifistischen Appelle des Stücks nicht hören, wie aus der Kritik <a href="Gustave_Bertrand" title="Gustave Bertrand">Gustave Bertrands</a> im <a href="Le_M%C3%A9nestrel" title="Le Ménestrel">Ménestrel</a> hervorging. Auch die Wiener Fassung war mit 27 Aufführungen für Offenbachs Verhältnisse nicht sonderlich erfolgreich. In Graz, Prag und Berlin wurde sie jeweils im Oktober 1872 nachgespielt, bevor sie in der Versenkung verschwand.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Verschollene_Dokumente">Verschollene Dokumente</h3></div>
<p>Das Orchestermaterial der Pariser Aufführung wurde vermutlich 1887 beim Brand der Opéra Comique zerstört. Die handschriftliche Partitur Offenbachs ging an seine Tochter Jacqueline. Um Ansprüchen ihrer Schwestern zu vermeiden, hielt sie den Besitz geheim. Nach Jacquelines Tod im Jahr 1937 wurden die Blätter an Nachkommen der Schwestern verteilt. Diese verkauften sie gelegentlich blattweise, sodass die Handschrift heute verstreut ist. Ein Teil befindet sich in London, ein anderer bei der <a href="Beinecke_Rare_Book_and_Manuscript_Library" title="Beinecke Rare Book and Manuscript Library">Beinecke Rare Book and Manuscript Library</a> der <a href="Yale_University" title="Yale University">Yale University</a> und ein dritter bei einer anonymen Nachkommin. Einzelne Blätter, teilweise in vier Teile zerschnitten, finden sich weltweit verstreut. Auch das Pariser Libretto der Uraufführung ist verschollen, obwohl es an der Theaterkasse verkauft wurde wie heutzutage Programmhefte. Das abweichende Libretto, das im Dezember 1871 bei der Zensurbehörde eingereicht worden war, befindet sich glücklicherweise im <a href="Archives_nationales" title="Archives nationales">französischen Nationalarchiv</a>. Auch ein 1872 bei Choudens gedruckter Klavierauszug der Uraufführung ohne Sprechszenen blieb erhalten.
</p><p>Die Wiener Aufführung war besser dokumentiert, denn im Archiv des Berliner Offenbach-Verlegers <a href="Bote_%26_Bock" title="Bote &amp; Bock">Bote &amp; Bock</a> befindet sich sowohl eine Abschrift der Partitur als auch ein vollständiges Libretto.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Neuaufführungen"><span id="Neuauff.C3.BChrungen"></span>Neuaufführungen</h3></div>
<p>Auf diesen Berliner Dokumenten fußten die wenigen Aufführungen im 20. Jahrhundert: 1927 in Magdeburg, 1957 <a href="Konzertante_Auff%C3%BChrung" title="Konzertante Aufführung">konzertant</a> beim <a href="Westdeutscher_Rundfunk_K%C3%B6ln" title="Westdeutscher Rundfunk Köln">Westdeutschen Rundfunk Köln</a>, 1994 in Gelsenkirchen und Wuppertal. Für diese Aufführungen wurden die Teile, die in der Wiener Partitur fehlten, nach dem Choudens-Klavierauszug neu instrumentiert. Die Titelpartie wurde vom Sopran in den Tenor transponiert. 2000 wurde eine Neuproduktion in <a href="Rennes" title="Rennes">Rennes</a>, <a href="Nantes" title="Nantes">Nantes</a>, <a href="Angers" title="Angers">Angers</a> und <a href="Tours" title="Tours">Tours</a> aufgeführt. Für sie wurde der deutsche Text ins Französische zurückübersetzt.
</p><p>Ab 1999 erschien bei <a href="Boosey_%26_Hawkes" title="Boosey &amp; Hawkes">Boosey &amp; Hawkes</a> sowie bei Bote &amp; Bock die kritische Neuedition <i>OEK</i> von <a href="Jean-Christophe_Keck" title="Jean-Christophe Keck">Jean-Christophe Keck</a>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Dirigent, Sänger, Komponist und Musikwissenschaftler Keck ist seit seiner Jugend mit Offenbach verbunden. In seinem 18. Lebensjahr erwarb er seine ersten Sammlerstücke zu Offenbach. Der Choudens-Klavierauszug war seine zweite Erwerbung. 2011 fand er die letzte noch fehlende Nummer der handschriftlichen Pariser Partitur, das <a href="Couplet" title="Couplet">Couplet</a> des Prinzen, in privatem Besitz. Mit diesem Fund kam die Neuedition zu ihrem Abschluss. Beim <a href="Orchestra_of_the_Age_of_Enlightenment" title="Orchestra of the Age of Enlightenment">Orchestra of the Age of Enlightenment</a> ertönte am 15. Dezember 2013 erstmals wieder die Pariser Fassung; konzertant in Offenbachs Originalinstrumentation. Die szenische Uraufführung der kritischen Neuausgabe fand am 13. Dezember 2014 am <a href="Staatstheater_Karlsruhe" class="mw-redirect" title="Staatstheater Karlsruhe">Staatstheater Karlsruhe</a> statt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hier trug die Prinzessin abweichend vom Original den Namen „Theres“.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zehn Jahre später, im November 2024, wurde am <a href="Hessisches_Staatstheater_Wiesbaden" title="Hessisches Staatstheater Wiesbaden">Hessischen Staatstheater</a> in <a href="Wiesbaden" title="Wiesbaden">Wiesbaden</a> eine Neuinszenierung der Berliner Regisseurin Anna Weber gezeigt.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Boris Kehrmann (Texte), <a href="Badisches_Staatstheater_Karlsruhe" title="Badisches Staatstheater Karlsruhe">Badisches Staatstheater Karlsruhe</a> (Hrsg.): <i>Fantasio</i>. Programmheft Nr. 223, Karlsruhe 2014</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Fantasio_(opera)?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Fantasio (opera)</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a href="https://imslp.org/wiki/Fantasio_(Offenbach,_Jacques)" class="extiw external" title="scores:Fantasio (Offenbach, Jacques)"><i>Fantasio</i></a>: Noten und Audiodateien im <a href="International_Music_Score_Library_Project" title="International Music Score Library Project">International Music Score Library Project</a></li>
<li><span class="cite"><a href="Jean-Christophe_Keck" title="Jean-Christophe Keck">Jean-Christophe Keck</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.boosey.com/cr/music/Jacques-Offenbach-Fantasio-OEK-critical-edition/45550&amp;langid=2"><i>Offenbach – Keck: Fantasio (OEK critical edition).</i></a> Boosey &amp; Hawkes,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 11.&nbsp;September 2016</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AFantasio+%28Oper%29&amp;rft.title=Offenbach+%E2%80%93+Keck%3A+Fantasio+%28OEK+critical+edition%29&amp;rft.description=Offenbach+%E2%80%93+Keck%3A+Fantasio+%28OEK+critical+edition%29&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.boosey.com%2Fcr%2Fmusic%2FJacques-Offenbach-Fantasio-OEK-critical-edition%2F45550%26langid%3D2&amp;rft.creator=%5B%5BJean-Christophe+Keck%5D%5D&amp;rft.publisher=Boosey+%26+Hawkes">&nbsp;</span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-piper-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-piper_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-piper_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Josef_Heinzelmann" title="Josef Heinzelmann">Josef Heinzelmann</a>: <i>Fantasio.</i> In: <i><a href="Pipers_Enzyklop%C3%A4die_des_Musiktheaters" title="Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters">Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters</a>.</i> Band 4: <i>Werke. Massine – Piccinni.</i> Piper, München/Zürich 1991, ISBN 3-492-02414-9, S.&nbsp;560–562.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Die Darstellung zur Entstehungs- und Aufführungsgeschichte folgt Boris Kehrmann: Am <i>Puls der Zeit</i>, in: <i>Fantasio</i>, Programmheft Nr. 223 des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, S. 8–13.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.boosey.com/cr/music/Jacques-Offenbach-Fantasio-OEK-critical-edition/45550">Verlagsangaben zur kritischen Neuedition</a>, abgerufen am 2. Januar 2015.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Susanne Benda: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.komische-oper-karlsruhe-von-scherzen-und-schmerzen.384a5c09-b961-4d40-84c9-af623c95498b.html"><i>Von Scherzen und Schmerzen</i></a>, Kritik zur Karlsruher Aufführung bei den Stuttgarter Nachrichten, 15. Dezember 2014, abgerufen am 2. Januar 2015.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Uwe Friedrich: <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20150102175730/http://www.swr.de/swr2/kultur-info/kulturthema/jaques-offenbachs-fantasio-am-staatstheater-karlsruhe-verschenkte-aufmuepfigkeit/-/id=10016988/nid=10016988/did=14724128/1tw4wuf/index.html"><i>Verschenkte Aufmüpfigkeit</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 2. Januar 2015 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>), Kritik zur Karlsruher Aufführung bei SWR 2 Kultur, 15. Dezember 2014.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doczz.net/doc/5944983/programmheft---badisches-staatstheater-karlsruhe">Programmheft des Badischen Staatstheaters Karlsruhe</a>, S.&nbsp;21.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Franziska Stürz: <i>Fantasialand unterm Hammer</i>. Rezension zur Produktion in Wiesbaden 2024. In: <i><a href="Oper!" title="Oper!">Oper!</a></i>. Abgerufen am 21. November 2024 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.oper-magazin.de/kritiken/auffuehrungen-international/fantasio-wiesbaden-2024/">eingeschränkte Vorschau</a>).</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Werk): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4420477-2">4420477-2</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/no2015051621">no2015051621</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/265494690/">265494690</a></span> </div>
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